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Pulsdiagnose



Die Pulsdiagnose (chinesisch: „mai zhen“) ist eine der vier Diagnosemethoden in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).

Das Tasten der Pulse beschränkt sich fast ausschließlich auf die der Handgelenke und zwar radial, an der Daumenseite. Die Traditionelle Chinesische Medizin kennt wesentlich mehr Pulse als die westliche Medizin. Es gibt 28 verschiedene Pulse, die an drei Stellen und in drei Tiefen an den beiden Handgelenken getastet werden können. Den verschiedenen Pulspositionen werden die unterschiedlichen Organe zugeordnet. An der rechten Hand können die Systeme Dickdarm, Lunge, Magen, Milz, Bauchspeicheldrüse, dreifach Erwärmer, Kreislauf, ertastet werden. An der linken Hand die Systeme Dünndarm, Herz, Gallenblase, Leber, Blase und Niere. Dabei achtet der Heilpraktiker bei voller Konzentration auf die Pulsfrequenz, den Rhythmus, den Grad der Tiefe wo er den Puls spürt, die Kraft des Pulses und ob weicher oder harter Puls, kurzer oder langer Puls die Pulsqualität.
   Der Puls enthält die gesamte Information der verschiedenen Organe im Körper. Der Heilpraktiker kann die Schwingungen der Organe analysieren: Gesunde Organe, die normal funktionieren, haben eine andere Schwingung als solche, die beginnen, krank zu werden. So ist im Puls die kollektive
Information über die gesamte Physiologie enthalten.
Je nachdem, wie stark die Finger auf die Arterie gedrückt werden, lassen sich verschiedene Ebenen des Pulses ablesen, die zusammen unzählige Kombinationsmöglichkeiten ergeben. Die jeweilige Kombination gibt Auskunft darüber, welche Organe gestört sind, welche Art von Störung vorliegt und welche Krankheiten dadurch verursacht werden.


Die Pulsdiagnose ist seit dem 5. Jh. v. Chr. schriftlich bezeugt: Schon Diogenes sowie Hippokrates und Praxagoras von Kos haben den sichtbaren oder fühlbaren Puls an Hand, Schläfen, Hals, Lenden und Knie eindringlich untersucht. Dabei bezeichnen sie mit palmos den gesunden Puls, mit sphygmos den übermäßig hämmernden Puls, mit tromos den zitternden und mit spasmos den verkrampften Puls. Herophilos von Chalkedon brachte die Zählung der Pulsfrequenz mit der Wasseruhr auf. Seit Archigenes von Apamea ist die griechische Pulslehre ein ausgefeiltes Lehrgebäude: Sie unterscheidet zwischen den vier Zeiten des Pulses – Systole, Diastole, mit jeweils einer Pause dazwischen. Der Puls wird anhand von zehn Pulskategorien genau analysiert: Größe, Kraft, Geschwindigkeit, Fülle, Härte.  Galenos von Pergamon (129–201) hat der griechischen Pulslehre die klassische Gestalt gegeben, die für Jahrhunderte maßgeblich blieb. Der christlich-arabische Arzt Abu Sahl al Masihi (Ende des 10. Jh.) sowie sein Schüler, der muslimische Ibn Sina (980–1037), auf Latein Avicenna genannt, haben die Pulslehre dem Mittelalter weitergereicht.